Ein Mensch macht wie, wenn er Angst hat, automatisch Bewegungen, die der Hund als Aufforderung zum Spiel versteht. Dann kommt der Hund begeistert bellend angestürmt, der Mensch bekommt einen Schreck zuckt zusammen, worauhin der Hund meint, daß man richtig wild toben will und ihn gleich anspringt... Irgendwann sind dann, ohne das dem Hund selbst bewußt wird, die Grenzen zwischen Ernst und Spiel überschritten und er beißt richtig zu.
Dieses Scenario habe ich bei Menschen zum Glück noch nie so gesehen - bei Tieren konnte ich es aber oft nur knapp verhindern. Es ist ein Märchen, daß ein Hund es merken würde wenn ein Angst Mensch hat und dann zubeißt. Tatsächlich verwechselt er die Anzeichen von Angst mit einer Aufforderung zum Spiel, da die betreffenden Hunde nie beigebracht bekamen, daß ein Mensch der sich so bewegt, als wolle er - nach der Hundesprache zu urteilen - spielen, eben nicht spielen will.
Damit ein Hund die Angst als Angst auffaßt und aus Mitleid vorsichtig ist, muß man ihm die Angst zeigen, wie ein Hund einem anderen Hund seine Angst zeigt:
Hunde ziehen dann den Schwanz ein (d.H. sie klappen ihn nach vorne unter den Bauch), sie falten die Ohren der Länge nach zusammen und legen sie an den Kopf an (bei Pferden wäre das eine Drohung) oder sie werfen sich auf den Rücken - da haben wir als Menschen keine Chance das nachzumachen.
Wenn ich einen wildfremden Hund zum spielen auffordere und er kommt dann wie wild auf mich zugestürmt, ist dieser Hund falsch erzogen oder zu jung, um das schon richtig gelernt zu haben. Denn die meisten Leute die das tun, womit ich einen Hund zum Spielen auffordere, haben schlicht Angst. Und ein Hundebesitzer kann nicht immer alles sehen, also muß er seinem Hund beibringen, langsam auf solch "nette Menschen, die spielen wollen" zuzugehen, sie erst einmal zu beschnuppern und erst nach ein wenig streicheln zu spielen. Ein großer Hund darf niemals fremde Menschen anspringen! Das wird von Menschen instinktiv als Angriff verstanden und ist oft der Grund, warum Kinder dann für den Rest ihre Lebens Angst vor Hunden haben. Ein Hund muß eben lernen, daß Menschen eine andere Sprache sprechen als Hunde und darf bei Fremden nichts tun, was als Angriff mißverstanden werden könnte.
In dem Zusammenhang möchte ich noch einmal betonen, daß es absoluter Schwachsinn ist, Hunde darauf zu züchten daß sie "scharf" sind. Ein Hund der leicht beißt, ist ein Hund mit schlechten Nerven und so etwas ist zweiffellos auch im Polizeidienst nicht zu brauchen. Mir ist es absolut schleierhaft warum man irgendwo einen Hund brauchen könnte, der auch in Situationen zubeißt, die nicht absolut gefährlich sind.
Oft habe ich Schäferhunden meinen Arm ins Maul gegeben und dann Tauziehen mit ihnen gespielt. Ich habe niemals einen Kratzer davongetragen, der blutete. Diese Art von Spiel macht Hunde nicht gefährlich sondern bringt ihnen im Gegenteil bei, wie verletzlich die menschliche Haut ist und wie menschliche Reaktionen im Tobespiel einzuschätzen sind, so daß sie dadurch lernen mit hektischen Reaktionen von Menschen gelassener umzugehen und ihre Kraft beim zupacken so zu dosieren, daß keine Verletzungsgefahr besteht.
Obwohl Hunde im Spiel gerne knurren, sollte ein Mensch sich hüten das im Spiel ebenfalls zu tun. Auch sollte man Kindern einschärfen, daß sie mit dem Familienhund niemals "böser Hund" spielen dürfen. Die wenigsten Menschen beherrschen die Körpersprache der Hunde gut genug, um genau den Tonfall zu treffen, der beim Hund ein Spaßknurren von einem wütenden Knurren unterscheidet und ihnen zwischendurch auch die zusätzlichen Signale zu geben, mit denen Hunde einander mitteilen, daß alles ja nur Spiel sei und kein ernsthafter Kampf. Deshalb bekommen Hunde Angst, wenn ein Mensch sie im Spaß anknurrt und könnten beißen.